„Eine Gurke?“ Marta schaute mich ungläubig an. „Ja, wenn ich’s doch sage, eine Gurke.“ „Bist du dir ganz sicher?“ „Ja.“ Ich war mir ganz sicher. „Verrückt.“ sagte Marta und schmierte die ungünstige Stelle mit Heilcreme ein. „Ja.“ Es war wirklich verrückt.

Ich war im Schwimmbad rücklings auf eine Gurke gefallen. Ich hatte meine Badelatschen vor der Tür zu den Duschen stehen gelassen und wollte sie holen, damit ich nicht ausrutsche. Auf dem Weg rutschte ich aus, und fiel unglücklich auf die Gurke. Sie war nicht gerade begeistert. „Warum tragen Sie keine Badelatschen, verdammt nochmal!?“ schrie sie mich an, nachdem wir uns entwunden hatten. „Verzeihung. Die wollte ich gerade holen, wissen Sie es ist fast lustig, genau so eine Situation wollte ich vermeiden.“ sagte ich unter flachem Atem, noch etwas mitgenommen vom stechenden Schmerz in meinem Rektalbereich. „Ja, sehr lustig.“ fauchte die Gurke durch das Duschwasser hindurch während sie sich zum fünften Mal den Kopf sauber schrubbte.

„Ich dachte immer, Gurken wären nicht so nachtragend? Mein Vater hatte damals Nachbarn, die waren Gurken, sehr nette und geduldige Wesen.“ „Das war eine Wassergurke von WaGeN, du weißt doch, wie die sind.“ Wassergurken waren die Elite der Spezies, seit sie es 2080 ins Parlament geschafft hatten. Rassismus zwischen Gurken und Menschen hatte sich bereits tief in die Politik eingefressen, und Wassergurken trugen ihn sogar skrupellos in die eigenen Reihen, um den Wahlkampf zu gewinnen. Es war eine bedauernswerte Situation. Aus Menschensicht war es bereits Fortschritt, Gemüse im Parlament zu sehen. Jedoch für Gurken zweiter Klasse und Gemüse aller Art war es ein Disaster, das WaGeN, die Partei für Wassergurken Erster Natur, an die Macht gelangte. Mit Wahlsprüchen wie „Gemüsekultur vorantreiben – Stolz WaGeN“ spalteten sie damals die Gemüter und riefen Gemüse erster Klasse dazu auf, ihre krummen Mitbürger auszugrenzen.

„Warum war er überhaupt hinter dir?“ fragte Marta. „Ach, die sind leider nicht so progressiv in dem Schwimmbad, es gibt keine niedrigen Türklinken. Er wollte wohl mit mir rausgehen. Au-“  ich atmete scharf ein. „Meine Güte, du hast aber auch ein Pech.“ sagte Marta bemitleidend. „Ja.“ sagte ich und versuchte die Schmerzen mithilfe von Gedanken an eine friedlichere Welt zu auszublenden.

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04/12/2018