In der Sonnenbrille spiegelte sich die Frau auf dem Liegestuhl. Sie sah aus wie ein reicher Leguan und trug eine Sonnenbrille, in der sich etwas spiegelte. Timo versuchte sich krampfhaft auf das Spiegelbild im Spiegelbild zu konzentrieren und blickte dabei immer tiefer und tiefer in die Sonnenbrille. Der Pool roch nach nasser Kleidung und Chlorin und es war kurz vor 12.

Der Bauchklatscher eines Jugendlichen, der eine unglückliche Wette eingegangen war und deshalb vom Zehnerturm springen musste, schoss durch den sonstigen Hotellärm. Die Welle schwappte die zehn Meter durch den Pool und wurde dabei immer kleiner. Als sie nur noch die Größe einer Welle hatte, die Vögel beim Baden am Ufer eines Sees auslösen, kam sie schließlich bei Timo an. Sein Schwimmring drehte sich leicht.

Er hatte jetzt nur noch eine periphere Sicht auf die Sonnenbrille, die Frau in der Sonnenbrille und die Spiegelung der Sonnenbrille in der Spiegelung der Sonnenbrille. Er bewegte seine kleinen Gurkenbeine auf und ab. Es brachte nicht viel, und so widmete sich Timo wieder den Wolken über ihm. Er war einfach zufrieden zu stellen. Wie die meisten Gurken.

Der Mann mit der Sonnenbrille war nach dem Frühstück eingeschlafen. Das war gegen 10. Der sehr nahe Geruch von Grillfleisch weckte ihn. Es war der an Hautkrebs grenzende Sonnenbrand, der jetzt die Vorderseite seines Körpers überzog. Timo bekam Hunger. Er bekam immer um 12 Uhr mittags Hunger. Wie die meisten Gurken.

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