
Im Grunde war das eine WG-Party: Leute, die du schon ewig kennst, aber nicht oft triffst, kommen vorbei und prosten dir zu, während du fragwürdige Dinge von dir gibst. Alle sind ein bisschen neugierig, ob es spannende Neuigkeiten gibt und falls ein Abendprogramm angekündigt wurde, dient es eigentlich nur dazu, davon abzuweichen.
So ließe sich wohl auch diese Ausgabe des Traumschiffs beschreiben, die diesmal ich moderieren durfte. Auch wenn das Veranstaltungsbanner der Lettrétage etwas anderes behauptete. Aber da drauf hat außer dem Titel ohnehin fast nix gestimmt: Daniel Klaus und Klaus Esterluß wurden zu Daniel Klaus Esterluss verschmolzen; Maik, der diesmal nur Publikumsgast und Weintrinker sein sollte, zum Moderieren verdonnert und ich als dritter Autor aufgeführt. Anders als beim letzten Mal habe ich aber diesmal nur aus Adornos Traumtagebuch zitiert und ansonsten das Vorlesen lieber den drei Gästen überlassen. Neben Daniel und Klaus hat uns Christian Lange-Hausstein mit in seine Traumwelt genommen. Maik durfte seinen Wein genießen.





Erneut erwiesen sich Texte von, vom und übers Träumen als Quell kuriosester Ideen, Wendungen und Erlebnisse. Klaus verschlug es ohne nennenswerten Bezug immer wieder nach Hamburg, Daniel reiste in den 90ern träumerisch nach Indien und Christian führte uns Schritt für Schritt durch die Rück-Entzifferung seiner Traumnotizen.
Die Überraschung, manche*r möge gar sagen — Schock — des Abends ergab sich aber zweifelsohne während des Traumpodiums im Ausklang der Lesung. Daniels Erzählung darüber, dass er in schwarz-weiss träumt (!) und im Erinnerungsprozess dann nachkoloriert, entfachte ein ganzes Fragefeuerwerk beim Publikum. Damit bestätigt sich, was sich bereits bei der ersten Ausgabe des Traumschiffs abzeichnete: Wir reden zu wenig über unsere Träume.
Dabei macht es, so auch diesmal, so viel Spaß! Umso mehr freue ich mich auf die nächste Ausgabe des Traumschiffs, die am 28. Mai 2026 stattfindet. Da werde ich dann — egal, was das Veranstaltungsbanner prognostiziert — einfach nur im Publikum sitzen und zuhören. Von Klaus und Daniel gibt’s schon früher eine Veranstaltung: Alle Infos zur nächsten Ausgabe ihrer Lesereihe Für Immer Bärbel am 27. April 2026 gibt’s auf Insta.
