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Nostalgisch surfen meine Augen auf dem ostigen Beton der knapp bemessenen Bahnsteigkanten entlang. Dieser Beton unter den Füßen, einen Zeh im weichen Fugenteer, diese trockene Hitze im Nacken und das Gefühl, ganz weit weg von allem zu sein – so waren Sommerferien in Brandenburg.
Verbracht hatte ich sie oft mit meinen zwei Sandkastenfreundinnen. Einige Jahre nach Abi und Landflucht trafen wir uns wieder, am Badesee unseres Heimatdorfs. Wir lagen da wie früher, dachten an nichts Bestimmtes, als C. aussprach, was offensichtlich war: „Tja, der erste Lack ist ab.“ Seitdem war es besiegelt: Wir sind doch erwachsen geworden. Die einst endlos scheinende Sommerferienfreiheit war eine Farce. Trauer zog ein.
Geblieben sind die Freibadpommes, aber sie kosten zu viel, geblieben ist das Eis am Stiel, aber es klebt furchtbar, trockener denn je dröhnt die Sonne, verursacht Kopfschmerzen. Jetzt blättert in Berlin von meiner F+-Begleitung S. und mir der Lack ab, bekifft liegen wir am Großstadt-See, ein Hahn kräht in der Nähe.
Ich blinzle mich aus meinem Tagtraum heraus. „Warte, hast du das auch gehört?“ S. nickt abwesend. Es kräht erneut. „Hier ist irgendwo ein Hahn! S., das ist echt! Hier ist ein HAHN AM SEE! Wo–“. Damit, dass S. die Tragweite dessen nicht zu begreifen scheint, kann ich mich kaum aufhalten, denn ich zeige bereits zittrig vor Glück zum Ufer. Keine zwanzig Meter entfernt steht eine Frau an der Böschung, nackt, und reckt ihren Arm senkrecht gen Himmel. Rauf, Pause, runter, rauf. Auf ihrer Hand – mit jedem Auftrieb triumphal krähend – thront der Hahn. Ich starre, atemlos. Mit jedem „Kikerikii“ löst sich ein Fetzen alte Trauer und seufzt davon. Mein inneres Dorfkind, getröstet von der Stadt. Sommerfreiheit in Berlin ist wahrlich zeitlos.


