Veröffentlichung in der taz #3

In der taz ist am 16. März 2026 ein kleiner Text von mir in der Rubrik „Berliner Szenen“ erschienen.

Mit Klick auf diesen Link geht es zu der Veröffentlichung auf der taz-Website. In dem Text geht es um meinen struggle mit Öffi-Alternativen zur Zeit des letzten BVG-Streiks und was das so mit sich bringt… Wer möchte, kann den Text mit dem Orginaltitel auch direkt hier im Blog lesen, mit Klick aufs + :

Wie immer, wenn ich etwas das erste Mal mache, überwältigen mich die unbekannten Reize und überbordende Versagensängste. „Wie machen die ganzen Kids das nur?“ keuche ich, während ich mit schwitzigen Händen versuche, einen QR-Code zu scannen. Meine Aufregung ist lächerlich, übertroffen nur noch davon, mit welcher Peinlichkeit ich hoffe, dass mich niemand in meinem Elend beobachtet.

Ein älterer Mann im Elektromobil bleibt neben mir stehen und schaut grummelig auf die E-Scooter, an denen ich gerade herumhantiere. Meine Ohren werden heiß. Auch das noch. „Ich schwöre, ich bin keiner von denen, die diese Scheißteile überall rumstehen lassen und rücksichtslos fahren!“, möchte ich mich flehend rechtfertigen, stattdessen bringe ich nur einen nutzlosen Kommentar heraus: „Immer stehen die Dinger im Weg, echt mega scheiße.“ Der Mann starrt mich wortlos an und bedeutet mir, dass ich ihm Platz machen soll. Vorbeigekommen wäre er sicher auch so. 

Aber es geht ums Prinzip, und im Prinzip sind unsere Rollen klar verteilt. Ich hieve also beschämt die Rollerflotte zur Seite. Mächtig schwere Kolosse, die zu meinem Unglück jetzt auch noch anfangen, laut piepend zu protestieren. Mein Plan, gewissenhaft den Anweisungen der Jelbi-App Folge zu leisten, um möglichst unbemerkt davonzukommen, ist damit endgültig gescheitert. 

Es wird den Mitarbeitenden kein Trost sein, aber zumindest Eines hat der BVG-Streik gebracht. Denn die App der Berliner Verkehrsbetriebe — als zu teuer kritisiert, trotz Kampagne nie so richtig in Fahrt gekommen — nutze ich, wie die E-Scooter vor mir, zum ersten Mal. Sie ist super. Die App sollte bekannter werden. Ich hoffe trotzdem, sie nie wieder nutzen zu müssen. 

Veröffentlichung in der taz #2

In der taz ist am 09. März 2026 ein kleiner Text von mir in der Rubrik „Berliner Szenen“ erschienen.

Mit Klick auf diesen Link geht es zu der Veröffentlichung auf der taz-Website. In dem Text geht es um einen wunderschönen ersten Frühlingstag mit meiner Mitbewohnerin und einem unverhofft nicen Auftritt von Ballerino Braithwaite. Wer möchte, kann den Text auch direkt hier im Blog lesen, mit Klick aufs + :

Das Ritual folgt jedes Jahr demselben Ablauf. Traditionell markieren Männer seinen Beginn. Während Andere in Daunenschichten gehüllt an der Bushaltestelle ihren Atemwölkchen hinterherschauen, schlurfen sie in Kurzarmhemd und Cargoshorts durch die Stadt. Das Orakel ist zuverlässig: Wenige Tage später streckt im Wetterbericht die erhoffte Sonnengrafik ihre Strahlen über die Deutschlandkarte. Schon kriechen alle wieder aus den Löchern. In den Fahrradläden türmen sich Räder mit festgerosteten Ketten und platten Reifen. Die Frage kommt auf: Seit wann ist Berlin so voll? (Antwort: Schon immer.) 

Auch meine Mitbewohnerin und ich tun unseren Dienst und holen uns auf dem Balkon den ersten Sonnenbrand des Jahres. Und gehen Kaffeetrinken. Natürlich im Draußenbereich, natürlich mit Sonnenbrille. Doch die Idylle droht zu bröckeln: Vor dem Dönerladen nebenan baut ein Straßenmusiker Lautsprecher und Mikro auf. Erwartet uns etwa die erste Edition „Hit The Road Jack“/„I’m a Barbie Girl“ noch vor der 20-Grad-Marke?

Aus der Box tönen zurückhaltende Pianoklänge auf angenehmer Lautstärke. Jackpot. Eigentlich wollte er gestern hier singen, erzählt der Musiker, aber er habe sich nicht getraut. Immer wieder schaut er sich nervös nach Ordnungshütern um. Bald tun das hier alle, so herzlich begleitet seine Stimme uns durch die R&B Klassiker. Gleißendes, warmes Licht reflektiert von den Gehwegplatten, wir tanzen spontan. Auch den Dönerbesitzer —Selbstbezeichnung „Manager“, markante Zahnlücke, wilde Locken — zieht es aus seinem Laden. Von ihm gibt’s eine Fistbump für den Sänger, ein Bier und schließlich einen fetten Bud Gras in die Spendentasche. Und mir in die Hand, weil ich so toll getanzt habe. Höchste Ehre auf oldschool Basis. Der Frühling ist damit offiziell eingeläutet.

Veröffentlichung in der taz

In der taz ist am 01. September 2025 ein kleiner Text von mir in der Rubrik „Berliner Szenen“ erschienen.

Mit Klick auf diesen Link geht es zu der Veröffentlichung auf der taz-Website. Es wurden durch das Lektorat kleine redaktionelle Veränderungen vorgenommen (seufz). Den Originaltext mit dem Originaltitel gibt es hier mit einem Klick auf das + :

Nostalgisch surfen meine Augen auf dem ostigen Beton der knapp bemessenen Bahnsteigkanten entlang. Dieser Beton unter den Füßen, einen Zeh im weichen Fugenteer, diese trockene Hitze im Nacken und das Gefühl, ganz weit weg von allem zu sein – so waren Sommerferien in Brandenburg.

Verbracht hatte ich sie oft mit meinen zwei Sandkastenfreundinnen. Einige Jahre nach Abi und Landflucht trafen wir uns wieder, am Badesee unseres Heimatdorfs. Wir lagen da wie früher, dachten an nichts Bestimmtes, als C. aussprach, was offensichtlich war: „Tja, der erste Lack ist ab.“ Seitdem war es besiegelt: Wir sind doch erwachsen geworden. Die einst endlos scheinende Sommerferienfreiheit war eine Farce. Trauer zog ein.

Geblieben sind die Freibadpommes, aber sie kosten zu viel, geblieben ist das Eis am Stiel, aber es klebt furchtbar, trockener denn je dröhnt die Sonne, verursacht Kopfschmerzen. Jetzt blättert in Berlin von meiner F+-Begleitung S. und mir der Lack ab, bekifft liegen wir am Großstadt-See, ein Hahn kräht in der Nähe. 

Ich blinzle mich aus meinem Tagtraum heraus. „Warte, hast du das auch gehört?“ S. nickt abwesend. Es kräht erneut. „Hier ist irgendwo ein Hahn! S., das ist echt! Hier ist ein HAHN AM SEE! Wo–“. Damit, dass S. die Tragweite dessen nicht zu begreifen scheint, kann ich mich kaum aufhalten, denn ich zeige bereits zittrig vor Glück zum Ufer. Keine zwanzig Meter entfernt steht eine Frau an der Böschung, nackt, und reckt ihren Arm senkrecht gen Himmel. Rauf, Pause, runter, rauf. Auf ihrer Hand – mit jedem Auftrieb triumphal krähend – thront der Hahn. Ich starre, atemlos. Mit jedem „Kikerikii“ löst sich ein Fetzen alte Trauer und seufzt davon. Mein inneres Dorfkind, getröstet von der Stadt. Sommerfreiheit in Berlin ist wahrlich zeitlos.